Wann und wie sollten Dritte einbezogen werden?

Dritte Personen (Angehörige, Betreuende, Übersetzer) sollten in die Reha-Zielvereinbarung und Reha-Zielarbeit mit einbezogen werden, wenn:

  • Rehabilitanden diesen Wunsch √§u√üern,
  • Rehabilitanden in einem Betreuungsverh√§ltnis stehen (Kinder und Jugendliche, Personen mit erheblichen Behinderungen oder erheblichen Sprachbarrieren),
  • Rehabilitanden darin eingeschr√§nkt sind, √ľber die pers√∂nliche Situation Auskunft zu geben und Anliegen zu formulieren (krankheitsbedingt, aufgrund von Fremdsprachigkeit),
  • die Beteiligung von Angeh√∂rigen von besonderer Bedeutung f√ľr den Erfolg der Rehabilitation ist (z. B. bei Abh√§ngigkeits- und psychischen Erkrankungen) oder
  • Angeh√∂rige von der Erkrankung des Rehabilitanden erheblich mitbetroffen sind.

Wer als Angehöriger in die Zielarbeit mit einbezogen wird, sollte der Rehabilitand - soweit wie möglich - selbst entscheiden. Als Angehörige können Ehe- oder Lebenspartner, Kinder und Eltern, aber auch wichtige Bezugspersonen wie Freunde und Arbeitskollegen gelten.
Angeh√∂rige k√∂nnen als Co-Therapeuten (z. B. im Rahmen einer psychotherapeutischen Intervention) mit einbezogen werden oder auch Ziele, welche die eigene Person betreffen, einbringen (z. B. ‚ÄěWunsch nach Entlastung‚Äú) (s.Weiterf√ľhrende Literatur des Moduls 3).

Grundsätzlich folgt ein partizipatives Zielgespräch zu dritt (oder viert) denselben Regeln wie ein Zielgespräch zu zweit: Alle Beteiligten sollten eine gemeinsame Informationsbasis haben, nach ihren Anliegen gefragt werden und der finalen Zielauswahl sowie Zielformulierung zustimmen.

Zur Vorbereitung der Zielgespr√§che k√∂nnen Angeh√∂rige und Rehabilitanden getrennt zu den Zielen der Rehabilitation befragt werden. Ein Beispiel f√ľr die Dokumentation von Reha-Zielen von Eltern, die sich auf die Reha-Ziele ihrer Kinder beziehen, findet sich in dem folgenden Praxisbeispiel.

Abbildung 14: Kommunikationsstörung wahrnehmen
Abbildung 14: Kommunikationsstörung wahrnehmen
Quelle: Eigene Darstellung (nach Heckhausen, 2006)

Bei Rehabilitanden mit ausgeprägten Sprachbarrieren (z. B. Verlust der Sprachfähigkeit, Gehörlose, geringe Deutschkenntnisse, kleine Kinder) sollten barrierefreie oder barrierearme Materialien, die sich einer einfachen Sprache, grafischen Elementen und Visualisierungen bedienen, verwendet werden.

Auch Angeh√∂rige oder Betreuende k√∂nnen die Interessen des Rehabilitanden vertreten. Dazu muss sichergestellt sein, dass die Angeh√∂rigen oder Betreuenden den Rehabilitanden gut genug kennen, um verl√§ssliche Aussagen √ľber dessen Interessen, Vorlieben und Abneigungen sowie Gewohnheiten treffen zu k√∂nnen. Soweit wie m√∂glich sollte der Rehabilitand einbezogen werden und sich selbstst√§ndig zu seinen Anliegen und Reha-Zielen √§u√üern, ggf. unter Zuhilfenahme grafischer Mittel, stellvertretender Kommunikation oder eines √úbersetzers.

Wenn ein Dolmetscher hinzugezogen werden muss, eignet sich die Methode des konsekutiven √úbersetzens am besten f√ľr Besprechungen im kleinen Rahmen. Zeitversetzt erh√§lt zun√§chst der Rehabilitand das Wort und pausiert nach einigen S√§tzen, um dem √úbersetzer die M√∂glichkeit des Dolmetschens zu geben. √úbersetzer k√∂nnen sich in der Sprechzeit Stichworte notieren und anschlie√üend das Gesagte strukturiert wiedergeben. Zu bedenken ist, dass sich die Besprechungszeit dadurch verl√§ngert. An wichtigen Stellen sollte das Verst√§ndnis abgesichert werden.

Möglicherweise ist auch das Geschlecht des Dolmetschers zu beachten. So könnte eine Rehabilitandin muslimischen Glaubens durch die Anwesenheit eines männlichen Übersetzers befangen sein. Übernehmen Angestellte der Einrichtung die Funktion eines Dolmetschers, sollten diese entsprechend geschult sein.

Bei neurologischen und neuropsychologischen Störungsbildern kann auch die grundlegende Kommunikations- und Planungsfähigkeit der Gegenstand des Reha-Ziels sein. Im folgenden Praxisbeispiel werden die Ziele zunächst durch das Reha-Team festgelegt und schrittweise erweitert.

Abbildung 15: Kognitive, psychische und kommunikative Basisfunktionen f√ľr Reha-Zielarbeit

Abbildung 15: Kognitive, psychische und kommunikative Basisfunktionen f√ľr Reha-Zielarbeit

Quelle: m&i Fachklinik Herzogenaurach, Herzogenaurach (Auszug; das vollständige Dokument befindet sich in Praxisbeispiel 30)