Wieviele Ziele und welcher Schwierigkeitsgrad sind angemessen?

Um eine √úber- und Unterforderung der Rehabilitanden zu vermeiden, sollten folgende Aspekte bei der Reha-Zielarbeit beachtet werden:

1. Begrenzung der Anzahl
In der Regel wird eine Vereinbarung von drei bis maximal f√ľnf Reha-Zielen (Bovend‚ÄôEerdt et al., 2009; Buchholz & Kohlmann, 2013; Dibbelt et al., 2011; Turner-Stokes, 2009) oder auch die Beschr√§nkung auf ein einzelnes, gut durchdachtes Reha-Ziel empfohlen.

2. √úberpr√ľfung auf Realit√§tsn√§he
Die Einschätzung, ob ein Reha-Ziel in einem bestimmten Zeitrahmen realistisch erreichbar ist, gehört zu den zentralen Aufgaben des Reha-Teams. Unerreichbare Ziele können als Stressoren wirken, körperliche Stresssymptome auslösen und pathologische Verhaltensmuster verstärken (Kuhl, 2005). Ein Ausweg kann sein, abgestufte Zielerreichungsgrade zu formulieren und eine Anpassung des Schwierigkeitsgrades zu ermöglichen.

3. Anstreben eines mittleren Schwierigkeitsgrades
Der Schwierigkeitsgrad eines Ziels ergibt sich aus dem Verh√§ltnis von Anforderung und Zeit. Um eine Unter- oder √úberforderung der Rehabilitanden zu vermeiden, sollte bei der Festlegung der Zielschwierigkeit ein mittleres Niveau angestrebt werden. Anstelle der v√∂llig selbst√§ndigen K√∂rperpflege nach einem Schlaganfall k√∂nnte beispielsweise das Reha-Ziel treten: ‚ÄěDie K√∂rperpflege kann ich mit Hilfsmitteln und geringer Unterst√ľtzung durch eine Pflegekraft bewerkstelligen.‚Äú

4. Priorisierung der Ziele
Durch die Gewichtung der Ziele untereinander wird die Relevanz und die Erreichbarkeit insgesamt verbessert (Vogel et al., 1994). Eine methodische M√∂glichkeit f√ľr die Gewichtung einzelner Ziele ist das sogenannte ‚ÄěRanking‚Äú. In Abbildung 3 ist beschrieben, wie Rehabilitanden unterst√ľtzt werden k√∂nnen, ihre drei wichtigsten Reha-Ziele nach Ihrer Bedeutung zu benennen.

Abbildung 3: Priorisierung eigener Ziele durch den Rehabilitanden

Abbildung 3: Priorisierung eigener Ziele durch den Rehabilitanden

Quelle: Reha-Klinik L√ľdenscheid, L√ľdenscheid (modifizierter Auszug)

5. Unterscheidung in langfristige und kurzfristige Ziele
Ein √ľberschaubarer Zeithorizont ist eine wichtige Voraussetzung f√ľr eine effektive Zielverfolgung. Eine Staffelung in kurzfristige und l√§ngerfristige Ziele kann deshalb sinnvoll sein.

In der Rehabilitation bietet sich als Zeitraum zun√§chst die aktuelle Behandlungsphase an, wie zum Beispiel der station√§re Reha-Aufenthalt von drei Wochen. Bei Reha-Ende kann die Zielarbeit auf die Nachsorge-Phase ausgedehnt werden. Ein Zielvereinbarungsformular kann dabei bereits √ľbergeordnete Reha-Ziele (z. B. Berufst√§tigkeit) vorgeben, wie das folgende Praxisbeispiel zeigt.

Abbildung 4: Staffelung in längerfristige und kurzfristige Ziele

Quelle: REHA S√úD Freiburg, Freiburg im Breisgau (modifizierter Auszug)